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Matsushima op.21

Matsushima-Fantasy

für Klavier und Violine
in 1 Satz

Auftragswerk der Japan Promotion Association und Tamamo Ange Saito
Uraufführung im Februar 2013 in Wien

Die verheerende Katastrophe, welche der Tsunami 2011 für viele Küstenorte der japanischen Provinzen Miyagi und Tohoku gebracht hat, kann der Außenstehende in ihrem ganzen Wesen kaum ermessen. Ganze Städte hat das Meer hinweggespült und das Bild der Verwüstung ist den betroffenen Menschen in der Seele eingraviert. Die Kunst als Seelensprache im Allgemeinen, und die Musik als direktester Protagonist der emotionalen Sphäre im Besonderen, ist nun gefordert, den geknickten Menschen wieder aufzurichten, dem Hoffnungslosen Trost, und dem Verletzten Heilung zu spenden.
Einem Aufruf befreundeter japanischer Musiker Folge leistend, für die Menschen der zerstörten Regionen an der japanischen Ostküste zu schreiben, habe ich hier auf ein altes, berühmtes Fischerlied zurückgegriffen, welches das Naturjuwel der Matshushima Bucht mit ihren unzähligen pinienbewachsenen Inseln und uralten Tempelheiligtümern besingt.

Das Lied ist mit einem choralartig schreitenden Trauermarsch im Klavier eingeführt und wird motivisch von der eintretenden Violine frei umsungen - quasi una fantasia. Die hoffnungsvolle Euphorie, in deren Höhen sich dieser Gesang schwingt, verfällt beinahe in naturtönige, impressionistische Bilder der Bucht und des Meeres, um just an dem Punkt ihres größten Anwachsens sich ins Destruktive zu verkehren, und alles darin sich Befindliche im eigenen Getöse zu begraben. Das Wiederanknüpfen geschieht, stockend, beinahe mechanisch – aber es geschieht. Und es ist der Zauber des Liedes, die unverwüstliche Kraft in dessen Motivik, die das Mechanische und Trauermarschartige der Wiederherstellung zum Tanz verwandelt, zu einem Walzer von aufsteigendem Schwung.
Von virtuoser „Beschäftigung“ und Emsigkeit erzählt die finale Variation auf das Thema des Fischerliedes, welches sich im Moment der größten polyphonen Verdichtung von unten her, vom Baß geführt, an den Trauermarsch erinnert, um im Ernst innehaltend das Fischerlied in seiner Originalgestalt, jedoch als Wiegenlied strukturiert und harmonisiert, aussingt. So wird das Lied zum Schilderer der Tatsachen und Geschehnisse, zum Boten und Künder seiner eigenen Identität. Ein Stück west-östlicher „Diwan“ also, auf welchem sich europäische Erzähltradition und originäre japanische Kultur und Substanz fruchtbar miteinander verbinden. Gewidmet ist die Fantasie einem alten Freunde, stellvertretend für ein befreundetes Volk.

Aufführungsdauer ca. 10 min

 

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