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Fantaisie Pathétique op.17

Hommage à P.I.Tchaikovsky

für großes (romantisches) Orchester

Besetzung: 2 (auch Picc.)/2/2/2 – 4/2/3/1 – 1Pk/2 - 3 Perc. – Streicher (dieselbe Besetzung wie in Tschaikowskys 6. Symphonie)

Uraufführung am 30/31. März in der Filature Mulhouse durch das OSM unter Daniel Klajner;
weitere Aufführung: Turku Philharmonic Orchestra unter Leif Segerstam, Mai 2012

Die Fantaisie Pathétique ist direkt an P. I. Tschaikowskis „opus summum“, seine 6. Symphonie (Pathétique), angelehnt, oder sagen wir, direkt aus ihr entnommen, und ist in ihrem Wesen Kommentar, Weiterführung und Referenz an den verehrten russischen Meister. Am Höhepunkt des ersten Satzes der Symphonie Tschaikowskis geraten - wie durch riesige tektonische Plattenverschiebungen - ganze Brocken inner-menschlicher „Erdteile“ in Bewegung. Es scheint, als eröffnete sich unter dem Hörer ein unermessliches Jammertal von dessen Grund herauf jenes düstere Posaunen-Motiv ertönt, eine Art Jüngstes Gericht, das weiter nichts als Schrecken bringt. Dieser erschütternde Posaunen-Ruf ist bereits seine 120 Jahre durch die Geschicke der Menschheit gegeistert, lange genug um nun die Erzählung meiner Fantasie op. 17 wieder zu eröffnen.

Wenn sich ein Komponist diesem Ruf stellt, geschieht das ebenso Merkwürdige wie Unausweichliche: Das alte Drama findet einen neuen Ausgang, ein neues Ventil; das alte Leid entpuppt sich als immanent menschlich, als etwas, das uns – zumindest in unserer Mitleidensfähigkeit, also unserer Fähigkeit, Leid zu erfassen und es mitzutragen – zutiefst ausmacht. (Man darf sich dabei ruhig vor Augen halten, dass der heute so geliebte Meister damals – so sagt man - von seinen eigenen Jugend-Freunden zum Selbstmord getrieben wurde – wohl ohne jemals die Hoffnung erfüllt gesehen zu haben, Liebe und dauerndes Glück zu erfahren. Diese extreme Paarung aus gnadenlosem Schicksal, und darinnen wie im Wunder solch unausrottbare Liebe zum Leben, erklingt uns sonst nur aus Schuberts Musik!)

Die enorme Ladung des Tschaikowskischen Motivs, seine aufsteigende Quinte mit dem punktierten Ganzton (oder Halbton) daran, verfügt über eine derartige Sprengkraft, daß wir uns sofort in medias res meiner Geschichte befinden: Durch ein Ehrenfellnerisches Prisma fällt der Tschaikowskische Posaunenstrahl, und wirft Bilder und Schatten jenes Ur-Themas, die, wie als wollten sie neu schlüpfen, sich nun zu einer Erzählung formen, welche in ihrer Farbigkeit, Leidenschaft und Direktheit dem großen Meister abgelauscht ist. Das Weitere unseres Dramas entzieht sich dem Wort. Lösung bringt in der Fantaisie Pathétique am Ende auch erst die Umkehrung des Themas. So seltsam, so leicht, so naheliegend - wenn man einmal Abstand von den Dingen genommen hat. Und es wäre nicht Ehrenfellner, wenn sich zum Schluß nicht die beiden Ton-Geschlechter Dur und moll gemeinsam ins Grab legten...

Aufführungsdauer: ca. 22min

 

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