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Entr'acte op.15

Orchester-Fantasie unter den gleichnamigen Stummfilm von René Clair (1924)

Besetzung:
2,2,2,2 – 4,2,3,1 – Pk,2 - 3 Perc., Harfe – Streicher (min.10,8,7,6,4)

Auftragswerk der Filature Mulhouse und des Orchestre Symphonique de Mulhouse
Uraufführung am 10. November 2011 in der Filature Mulhouse durch das OSM unter der Leitung von Enrico Calessi

Die Idee der Filature Mulhouse, den dadaistischen Stummfilm von René Clair aus dem Jahr 1923, für den Eric Satie damals Musik geschrieben hat, noch einmal vertonen zu lassen und im selben Konzert der originalen Clair-Satie-Version gegenüberzustellen, fand in Christoph Ehrenfellner einen begeisterten Partner. Die besondere Herausforderung hierbei war die sich schnell zu einem Dilemma entwickelnde Tatsache, dass der vergnügliche Zelluloid-Streifen dadaistischer Gewitztheit heute nicht mehr auf dieselbe direkte Art und Weise Lachen und Staunen wecken wollte, wie es 90 Jahre zuvor ganz sicherlich gewesen sein muss. Es ist überhaupt ein großes Fragezeichen, ob die Launenhaftigkeit und bewusste Zusammenhanglosigkeit dieser „Ideologie“, welche auch heute noch rundherum in der Kunst ungemindert Blüten treibt, tatsächlich unserer Erkenntnis, unserem Erleben entspricht?

So schmiedete Ehrenfellner aus der kunst- und humorvoll aneinandergereihten Bildgeschichte René Clairs eine traumhafte Geschichte – ganz in Entsprechung der Hochkonjunktur der Traumdeutung in jenen Tagen -, eine fruchtig-virtuose Orchesterfantasie, die mit ebensolcher Unverblümtheit in die Schwermut greift, wie sie sich lyrisch in leichte Lüfte hebt. Motivisch ganz eng in sich selbst verstrickt, gibt die Fantasie dem latent additiven Charakter des Films eine stärkere Fassung im Ganzen, erzeugt jenen Aufbau und jene konstante Steigerung im Tempo über lange 9 Minuten hinweg, die die Kameraführung Clairs vorgibt. Auch für die abrupten, komischen Elemente des Films bietet sich im verwendeten Ton-Material sowie durch den Reichtum der Orchestrierung jede Menge Erzähl-Substanz. Die Orchesterfantasie „Entr´acte“ ist von vornherein so angelegt, daß sie auch ohne den Film ein pures Hör- und Spielvergnügen sein kann.

Aufführungsdauer: 21min

 

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