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Violin/Viola-Konzert op.10

Hommage a St. Petersburg

Konzert für Violine, Viola (vorzugsweise in Personalunion) und großes Orchester in 2 Sätzen

1.Satz – de profundis..

2.Satz – ex terris.. (danse profane)

abwechselndes Violin- und Viola-solo
Orchesterbesetzung: 2,Picc,2,C.A.,2,B-Kl.,2,K-Fg / 4,3,1Tbn,1B-Tbn,1Tuba / 1 Timp,4 Perc., 1 Harfe / 6,5,4,4,3 Pulte

Uraufführung durch Sergey Malov und das Mozarteum Orchester Salzburg unter der Leitung von Zsolt Hamar im Großen Festspielhaus in Salzburg, März 2011

Das Doppel- oder besser Wechsel-Konzert für Bratsche spielenden Geiger und Orchester ist im Auftrage Sergey Malovs entstanden und sollte seinem Wunsche dienen, endlich beide Instrumente konzertant vereinen zu können (was in Sonaten-Abenden kein Problem ist, für große Solokonzerte jedoch eine seltene Novität darstellt). Die Orchestrierung verdankt ihre Ausmaße dem simplen Faktum, daß zur Uraufführung in Salzburg Mahlers 4. Symphonie dem Konzerte nachgestellt ist, und so voller Lust nach dem großen Klangkörper gegriffen werden konnte, ungeachtet dessen, daß eine alleinstehende Geige oder Bratsche diesen großen Partner vielleicht gar nicht nötig hätte...der Vorteil nun ist die enorme Farbenpracht des Orchesters, der Nachteil die subtile Balance mit dem Solisten. Im Zentrum des Konzertes steht das alte St. Petersburger Stadtlied „Stadt am Neva-Fluß“ von Vasili Solovyov-Sedoy, (ein Gruß an Sergeys Heimatstadt), welches mitten im 1. Satz prominent zitiert wird.

Formal ist der 1.Satz eine Art Doppelvariation, ein Zwitter aus einer eigenen Chaconne, einem eigenen Kontrapunkt und dem bereits erwähnten Thema aus St. Petersburg. Daß im Moment der erwarteten Reprise die Solo-Geige einen Walzer statt der Chaconne bringt, geht auf den zweiten gewichtigen strukturellen Aspekt zurück, den Kontrast der beiden Welten von Geige und Bratsche: wo die Bratsche dem lamento verpflichtet ist, steht die Geige für den vitalen eros, das spielerisch Schöpferische. Bereits der erste Auftritt der Geige ist so ein Wink aus einer lustvollen Welt in die erdrückende Last der dunklen d-moll Chaconne. Doch kann sich auch die Geige nach allem, was die Bratsche vordem durchmessen hatte, kaum mehr der dominanten Chaconne-Motivik entziehen und aus dem Tröster wird ein noch lauterer Kläger, welcher von der Gewalt der orchestralen Masse regelrecht fortgespült wird. 2 Solo-Bratschen weinen sich sodann gegenseitig zu Ende.

Die getragenen, liturgischen Welten des 1.Satzes weichen im 2.Satz jäh einem irdischen Gedanken, einem Tanzlied eigener Faktur, welches in seiner unregelmäßigen Rhythmik von Wien weit nach Osten schielt. Auch dieses Tanzlied entblößt bald seine innere Verwandtschaft mit dem Petersburger Stadtlied, welches schon aus dem ersten Orchester-Tutti hervorbricht. Die Omnipräsenz von Solovyov-Sedoys Lied im Tonmaterial des Konzertes ist umso delikater vor dem Hintergrunde, daß dieses Lied heute die Hymne des berühmtesten Petersburger Fußball-Clubs Zenit St.Petersburg ist und wöchentlich von abertausenden Fans aus vollem Halse gegrölt wird! Man könnte sagen, der 2. Satz stellt eine „weltliche Variaton“ des Stadtliedes dar, aus hundert Ecken und Enden schimmert es hervor und lacht über sich selbst, wenn es am Ende in Dur statt moll erscheint. Daneben sind die tiefen Referenzen an die Herren Bartòk und Tschaikowski kaum zu überhören... Vivat St.Petersburg!

Aufführungsdauer: ca. 33 min (1. Satz 20min, 2. Satz 13min)

 

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